Gesundheit

Die Einrichtungen und Dienste der stationären und ambulanten Pflege zählen zu den Schlüssel-bereichen bei der Bekämpfung der Corona-Krise. Zahllose Angehörige der sogenannten Risiko-Gruppe der älteren und mit Krankheiten vorbelasteten Menschen leben in den Altenpflege-heimen.

Sie werden dort gut versorgt. Das Personal hat viel Erfahrung im Umgang mit Infektionen. Allzu viele, die mit MRSA, Norovirus oder Krankenhauskeimen zu tun haben, kommen aus ihrem Zuhause oder aus der Klinik in eine Pflegeeinrichtung

Die Duisburger Pflegeheime haben am 19. März schon früh einhellig ein striktes Besucheverbot ausgesprochen, um ihre Bewohner davor zu schützen, dass das SARS-CoV-2-Virus von außen eingeschleppt wird. Trotzdem müssen natürlich Menschen die Einrichtungen täglich betreten: nämlich das Pflegepersonal. Deshalb kann trotz aller Anstrengungen nicht ausgeschlossen werden, dass sich Menschen in den Pflegeheimen anstecken. Sie können dort auch wieder gesund gepflegt werden – aber nur, wenn die Mitarbeitenden über professionelle Schutzaus-rüstung verfügen: FFP-2-Masken, Kittel, Handschuhe.

Die Häuser selbst sind natürlich für den normalen Bedarf ausgestattet. Aber nicht für eine Epi-demie. Die Träger der Pflegeeinrichtungen rufen deshalb seit Wochen um Hilfe bei der Stadt. Bund und Land haben schon Anfang März Millionenkontingente versprochen. Jetzt stellt sich heraus: Nichts davon ist wahr. Die Lager der Stadt sind leer. Sie wird genauso im Stich gelassen wie die Träger vor Ort.

Stadt und Pflegeeinrichtungen in Duisburg versuchen gemeinsam zu tun, was möglich ist. Es ist ein Fahren auf Sicht. Wenn die Pflegenden nicht so ausgestattet sind, dass sie die Bewohner versorgen können, müssen diese, auch wenn sie nicht schwer erkranken, in die Kliniken verlegt werden. Dann ist der befürchtete Kollaps nicht weit. Die Pflegeträger und die städtischen Verantwortlichen tun alles, was sie können, um das zu verhindern.

Insbesondere der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen müsste, statt undurchführbare Verordnungen zu erlassen und populistisch über Lockerungen von Besuchsregelungen zu spekulieren, mit absoluter Priorität dafür Sorge tragen, dass Schutzausrüstung in massenhaften Kontingenten ins Land kommt.

Download als PDF: 2020-04-09_Erklärung_Situation_Pflege

Dringende Bitte um Aufhebung der Corona Aufnahme VO vom 03.04.2020

Sehr geehrter Herr Minister,

zur effektiven Bewältigung der mit der Corona-Krise verbundenen Aufgaben der ambulanten und stationären Altenpflege vor Ort haben sich in Duisburg 13 Träger mit 28 Pflegeheimen und 5 ambulanten Pflegediensten im Rahmen der örtlichen Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrts-verbände in enger Abstimmung mit dem städtischen Krisenstab und der WTG-Behörde zu einheitlichem strategischem und praktischem Handeln zusammengeschlossen.

Wir stellen fest und teilen aus fachlicher Sicht klipp und klar mit, dass die Corona Aufnahme VO vom 03.04.2020 in Pflegeeinrichtungen nicht umsetzbar ist. Die Vollbelegung unserer Häuser hat zur Folge, dass die § 4 Abs. 1 VO geforderte Vorbereitung von Isolations- und Pflegebe-reichen unter Berücksichtigung der üblichen Fluktuation für die Schaffung von ca. zehn Plätzen einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten erfordern wird. In dieser Zeit können weder aus dem Krankenhaus noch aus dem häuslichen Umfeld pflegebedürftige Menschen in unseren Einrichtungen aufgenommen werden. Das bedeutet eine faktische Aufnahmesperre. Die VO will die Verfügbarkeit freier Krankenhauskapazitäten gewährleisten. Stattdessen verstärkt sie umge-kehrt den Belegungsdruck auf die Kliniken.

Angesichts der Ihnen wohlbekannten knappen Personalsituation in der Pflege ist es unsinnig, aus einer Belegschaft, die krisenbedingt unter enorm erschwerten Bedingungen Pflege-, Betreu-ungs- und Versorgungsleistungen erbringt, jetzt auch noch einen separaten Schichtbetrieb für einen Isolations- und Quarantänebereich aussondern zu wollen. Das würde das Versorgungs-system eines Hauses, das ohnehin nur noch am Anschlag funktioniert, zusammenbrechen lassen.

Was wir stattdessen dringendst benötigen, ist die ausreichende Versorgung des gesamten Personals mit der entsprechenden, seit Wochen ohne Resultat versprochenen Schutzaus-rüstung, damit unsere gerade auch mit Isolationsmaßnahmen und Keimbekämpfung sehr erfahrenden Mitarbeitenden unsere Bewohner wie bisher versorgen und gerade damit vor einer Infizierung schützen können. Wir erwarten daher vom Ministerium, dass die VO vom 03.04.2020 unverzüglich wieder aufgehoben und alle verfügbare Energie auf die Beschaffung von Schutz-ausrüstung für die Pflegekräfte gerichtet wird.

Download als PDF: 2020-04-07_Aufhebung_CorSchVO

Zusammenarbeit mit den Duisburger Behörden
zum Schutz der Klientinnen und Klienten der Altenhilfe

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Herren Beigeordnete,

leider sind wir gezwungen, uns zum Problem des Schutzes der Bewohnerinnen und Bewohner unserer Pflegeeinrichtungen noch einmal an Sie zu werden. Auf die Bedeutung effektiver Maß-nahmen in der Altenhilfe zur Vermeidung einer Überlastung des Gesundheitssystems haben wir Sie bereits am 20.03.2020 aufmerksam gemacht.

Seitdem hat auf unser Drängen hin am 25.03.2020 als Telefonkonferenz der erste „Krisen-Gipfel Pflege“ stattgefunden. Die dort getroffenen Verabredungen z.B. zur täglichen Statusmeldung aus sämtlichen frei-gemeinnützigen Einrichtungen an die Behörden, aber auch die zentrale Bündelung und Weitergabe aller fachlichen Fragen halten wir peinlich ein. Das führt auch zu einer Entlastung der städtischen Stellen, die sonst mit einer Vielzahl von Einzelträgern jeweils für sich zu tun hätten.

Das muss aber nun bitte auch auf Gegenseitigkeit beruhen. Die verabredete gebündelte Weiter-gabe der zahlreichen bestehenden fachlichen Fragen an das Gesundheitsamt ist seitdem jetzt schon zweimal unbeantwortet geblieben. Die bereits am 25.03.2020 von der Feuerwehr zuge-sagte und seitdem zweimal angemahnte Ausstattung mit FFP-1-Masken und Desinfektions-mitteln ist, wie ich soeben erfahren, jetzt in diesem Moment wieder zugesagt worden; hoffent-lich handelt es sich nicht erneut um eine bloße Ankündigung, und hoffentlich werden wir seitens des Leiters der Feuerwehr nicht nochmal zwischen den Zeilen verdächtigt, aus der Luft ge-griffene Angaben zu machen.

Es reicht, sehr geehrte Herren, bei weitem nicht aus, wenn uns die Gesundheitsbehörde per Weblink in E-Mails auf die Richtlinien des RKI aufmerksam macht. Die lesen wir auch von selbst. Wir möchten Sie nachdrücklich darauf hinweisen, dass in anderen Städten der näheren und weiteren Umgebung sehr klare Richtlinien vorliegen, die sehr genau und für die Träger vorbild-lich transparent auflisten, wer in welchem Fall was wann zu tun und zu melden hat, damit das Amt zügig und in angemessener Fläche Tests durchführen kann.

Wir wünschen uns, dass das in Duisburg auch so ist. Insbesondere für den Fall, dass sich Per-sonal infizieren sollte, wird es keinesfalls genügen zu empfehlen, auf Husten zu achten, und ansonsten auf den Hausarzt zu verweisen.

Im Interesse der Sache und vor allem der uns anvertrauten Menschen möchten wir Ihnen ohne Beschönigung übermitteln, dass wir uns, jedenfalls was unseren Arbeitsbereich betrifft, des Ein-drucks einer gewissen Planlosigkeit der zuständigen Behörden nicht erwehren können. Das ist vor allem deshalb schade, weil wir unsererseits alles tun, um in unserer Stadt zu vermeiden, was wir aus Würzburg und Wolfsburg leider den Medien entnehmen müssen.

Wir lassen uns gern belehren, dass unser Eindruck falsch ist. Bitte sorgen Sie dafür, dass der in-formelle und fachliche Draht zwischen uns und den zuständigen städtischen Stellen kurz und unterbrechungsfrei ist. Bitte sorgen Sie mit dafür, dass wir unsere Mitarbeitenden so schützen können, dass sie in der Lage sind, unsere Bewohnerinnen und Bewohner so zu pflegen, dass sie nicht verlegt werden müssen. Bitte halten Sie es nicht für ein unrealistisches Szenario, dass bei einer notwendigen Evakuierung von Pflegeheimen – dasselbe gilt im Übrigen für die Einricht-ungen der Eingliederungshilfe – die Duisburger Krankenhäuser sofort ihre Kapazitätsgrenzen überschreiten würden.

Download als PDF: 2020-03-30_Schutz_in_der_Altenhilfe

Liebe Duisburgerinnen und Duisburger!

Wenn Sie morgens aufstehen, denken und sprechen Sie über die Corona-Krise. Wenn Sie abends schlafen gehen, auch. Und das fast nur noch zu Hause.

Den Mitarbeitenden und Verantwortlichen der Duisburger Wohlfahrtsverbände als den großen Anbietern von sozialen Beratungs- und Hilfeangeboten in unserer Stadt geht es genauso. Wir denken zum Beispiel an die Kinder in den Kitas, die plötzlich ihre Freunde nicht mehr täglich treffen. An die jetzt schon hohe und weiter wachsende Zahl der Berufstätigen, die in Zwangs-urlaub geschickt oder auf Kurzarbeit gesetzt oder sogar schon entlassen werden. An die Be-schäftigten in Rettungsdiensten, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, die Sorge haben, ob sie demnächst noch mit genügend Material ausgestattet sind, um helfen zu können.

Es ist eine ungewöhnlich schwere Zeit für alle. Umso wichtiger sind die zahllosen Menschen, die Zuversicht verbreiten: die große Mehrheit der Eltern, die sich den gewachsenen Anforder-ungen der Betreuung ihrer Kinder mit viel Fantasie stellen. Oder die große Mehrheit der älteren Menschen, die sich nicht entmutigen lassen, sondern mit Geduld Einschränkungen auf sich nehmen. Auch unsere Stadtspitze handelt klug und umsichtig. Wir bitten deshalb alle Duis-burgerinnen und Duisburger: Halten Sie sich strikt und ohne Ausnahme an die amtlichen Ver-fügungen. Das ist das beste Mittel gegen eine schnelle Ausbreitung des Virus.

Die Wohlfahrtsverbände können Ihnen zwei Dinge versprechen: Unsere Pflege- und Gesund-heitsdienste tun alles Menschenmögliche, um Bewohner und Klienten gut zu versorgen und vor Ansteckung zu bewahren. Und: unsere Beratungs- und Betreuungsdienste für Hilfesuchende in allen Lebenslagen sind per Telefon und im Netz zu erreichen und verstärken ihre Bemühungen, möglichst vielen Menschen zur Seite zu stehen.

Die Internetseiten der Wohlfahrtsverbände bieten alle notwendigen Informationen und werden während der Krise ständig aktualisiert:

Unsere zahlreichen Hotlines und Beratungstelefone können sie zentral erfragen

  • bei der AWO unter 0203 30 95 530
  • bei der Caritas unter 0203 29 59 20
  • bei der Diakonie unter 0203 29 51 31 38
  • bei der Jüdischen Gemeinde unter 0203 29 81 242
  • beim Paritätischen unter 0203 31 81 450
  • beim Roten Kreuz unter 0203 28 28 33 60

Download als PDF: 2020-03-23_Erkärung_zur_Coronakrise

Sehr geehrter Herr Beigeordneter Dr. Krumpholz,

sehr geehrter Herr Dr. Weber,

im Zusammenhang mit der Corona-Krise stoßen die frei-gemeinnützigen Träger der Altenhilfe in Duisburg auf eine Reihe von grundsätzlichen Fragen, deren zeitnahe Beantwortung dringend notwendig ist, weil ja offenbar trotz der intensiven und richtigen Bemühungen der örtlichen und überörtlichen Behörden vorerst mit einer weiteren exponentiellen Ausbreitung der Infektionen zu rechnen ist.

Dazu sehen wir dringenden und zügigen Abstimmungsbedarf mit der örtlichen Gesundheits-behörde. Unsere Bitte um Hilfe bei der Beschaffung von Schutzausrüstung vom 20.03.2020, die ja nun hoffentlich nicht ohne Ergebnis bleiben wird, ist da nur ein Beispiel.

Ziel muss es sein, im Infektionsfall die Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen so lange wie möglich in den Einrichtungen und Klientinnen und Klienten der ambulanten Pflege zu Hause zu versorgen, damit sie nur bei schwerem Verlauf ins Krankenhaus übergeben werden müssen. Wir haben dazu in unseren Einrichtungen und Diensten jedwede fachliche Erfahrung, sind aber da-für auf gut abgestimmte und koordinierte Prozesse und Kommunikationsstrukturen mit den Ärzten und den Behörden angewiesen. Die muss das Gesundheitsamt steuern und gewähr-leisten. Zu diesem wesentlichen Ziel gehören wichtige Teilfragen, z. B.: Wie kann ein Test für schwer pflegebedürftige, bettlägerige Bewohner schnell und zeitnah in den Einrichtungen ablaufen, in denen Symptome auftauchen? Oder: Lassen sich für unvermeidbare Verlegungen in Krankenhäuser die Vorgehensweise der Krankenwagenfahrer zentral regeln? usw.

Aus unserer Sicht brauchen wir so schnell wie möglich ein „Krisen-Gespräch Pflege“. Dazu schlagen wir Ihnen eine Telefonkonferenz zwischen Ihnen, einer weiteren Person aus Ihrem Hause und zwei geschäftsführend Verantwortlichen aus dem Kreis der frei-gemeinnützigen stationären Pflege-Träger vor, die sehr bald einmal grundsätzlich und dann bei aktuellem Bedarf zügig einberufen werden sollte. Das wird viel kleinteiligen Abstimmungsbedarf und viel E-Mail- und Telefonverkehr ersetzen können.

Download als PDF: 2020-03-23_Krisengipfel_Pflege

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Herren Beigeordnete,

die in der Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege zusammenge-schlossenen Träger der Altenhilfe wenden sich mit einer dringenden Bitte um Hilfe an Sie.

Wir stehen in der ambulanten und der stationären Pflege vor der bedrohlichen Situation, dass wir in absehbarer Zeit den Bedarf unseren Mitarbeitenden an persönlicher Schutzausrüstung (PSA) nicht mehr bedienen können. Er steigt kontinuierlich allein schon dadurch, dass unsere Bewohnerinnen und Bewohner, wenn sie zu uns kommen, vermehrt mit Keimen aller Art (Krankenhaus, Noro, MRSA) behaftet sind. Der Mangel an Ausrüstung verschärft sich nun durch die Corona-Krise enorm, weil natürlich der Bedarf auch in den Arztpraxen und insbesondere in den Krankenhäusern wächst, die sich auf exponentiell ansteigende Infiziertenzahlen vorbereiten müssen. Der größte Anteil der sogenannten „Risikogruppe“ sind allerdings nun einmal die Klien-tinnen und Klienten der ambulanten und stationären Pflege. Wenn hier, was bisher noch nicht der Fall ist und wogegen wir alles Erdenkliche tun, den Mitarbeitenden nicht ausreichend PSA zur Verfügung gestellt werden kann, gefährdet dies die Versorgung, und es entsteht eine drama-tische Situation, weil die Betroffenen, falls sie erkranken, statt bei uns versorgt zu werden, in die Krankenhäuser überwiesen werden müssten.

Die einzelnen Träger selbst, auch solche mit beträchtlicher Größe, sind logistisch bei weitem nicht in der Lage, den Fehlbedarf in eigener Regie zu decken. Diese Feststellung gilt, wie Sie wissen, bundesweit. Wir sind darauf angewiesen, dass „der Staat“ in großem Maßstab die Rolle des Einkäufers übernimmt. Entsprechende Signale waren gestern sowohl auf Bundes- wie auf Landesebene den Medien zu entnehmen. Wir bitten Sie, sehr geehrte Herren, daher, dafür zu sorgen, dass in diesem Rahmen so schnell wie möglich ausreichende Mengen an PSA nach Duisburg gelangen und in unseren Einrichtungen zur Verteilung kommen. Dies würde unsere gemeinsamen und solidarischen Anstrengungen zur Eindämmung der Weiterverbreitung des Virus an einer entscheidenden Stelle unterstützen.

Download als PDF: 2020-03-20_Schutzkleidung

„An die Pflege denken“, den Auftrag bekamen die fünf Duisburger Bundestagskandidaten Bärbel Bas (SPD), Volker Mosblech (CDU), Matthias Schneider (Die Grünen), Jörg Löbe (FDP) und Lukas Hirtz (Die Linke) gestern aus erster Hand. Bei einer fachpolitischen Diskussion mit Ver-tretern der Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege, unter Leitung von Diakonie-Geschäftsführer Stephan Kiepe-Fahrenholz, im Christophoruswerk, bekamen sie kurz vor der Wahl einige konkrete Aufträge mit auf ihren Weg in den Bundestag.

Wo es in der ambulanten Pflege hakt, hörten die Politiker von der Geschäftsführerin der evan-gelischen Sozialstation Jutta Schilling. Zwar gelte der Grundsatz: ambulant vor stationär, so Schilling, aber in der Praxis würden immer mehr Pflegeheime gebaut, weil sie lohnende Investi-tionsobjekte sind. Im ambulanten Bereich dagegen kämpften viele sehr kleine Anbieter ohne Tarifbindung ums Überleben. Mit deren Preisen könnten tarifgebundene Pflegeunternehmen nicht mithalten. Schilling forderte eine Nachbesserung des Pflege-Neuausrichtungsgesetzes und eine Aussetzung der Stundenvergütung. Außerdem setzte sie sich für eine Wiederein-führung der kommunalen Bedarfsplanung in der Altenhilfe ein.

Volker Mosblech erzeugte einigen Unmut im Publikum, das zum großen Teil aus Pflegekräften des Christophoruswerkes bestand. „Das Thema wird in der nächsten Legislaturperiode ganz oben auf der Agenda stehen“, sagte er. „Wie oft wir das schon gehört haben“, gaben die Zuhörer zurück, „aber passiert ist bisher gar nichts.“ Bärbel Bas stimmte zu, dass es wieder eine Pflege-planung vor Ort geben müsse, die mit der Einführung der Pflegeversicherung weggefallen war.

Frank Frischauf forderte eine Überprüfung des Begriffs der Pflegebedürftigkeit und berichtete aus seiner Erfahrung als Leiter einer Altenpflegeeinrichtung, dass immer mehr Hochbetagte mit demenziellen Veränderungen in den Heimen lebten. „Wir arbeiten oft wie ein Hospiz, allerdings ohne die entsprechende finanzielle und personelle Ausstattung“, sagte er. „Wir brauchen bei der Bestimmung der Pflegebedürftigkeit eine deutlichere Beachtung der geistigen Einschränk-ungen.“

„Wer soll das bezahlen?“, fragte Kiepe-Fahrenholz seine Gäste aus der Politik. Mosblech und Löbe setzen auf kapitalgedeckte Zusatzversicherungen und kommunale Zuschüsse. Bas räumte ein, dass es wohl nicht ohne Steuererhöhungen zu machen sei und Hirtz blieb bei der Robin-Hood-Methode, das Geld von den Reichen zu nehmen, um die Ärmeren ohne Zuzahlung bedarfsgerecht versorgen zu können. „Wir müssen dafür mehr Geld ausgeben, denn es betrifft uns alle“, sagte Schneider. Zumindest nahmen alle die Kernforderungen der Pflegeprofis auf zwei „Denkzetteln“ mit auf ihren weiteren politischen Weg.-