Jugend

Seit Februar 2012 arbeiten im Auftrag der Stadt Duisburg 45 Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes (BuT) an 50 Duisburger Schulen, insbesondere an 38 Grundschulen.

Angestellt sind sie bei den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege. In dieser Zeit wurde von ihnen viel bewirkt. So wurden durch die Schulsozialarbeit nach dem BuT in 2012

  • rund 2500 Anträge zum Bildungs- und Teilhabepaket von Eltern, die Bezieher von Leistungen wie SGB II, Wohngeld, Kinderzuschlag sind, begleitet,
  • über 6.500 Schülerinnen und Schüler dieser Schulen persönlich beraten,
  • über 4.000 Beratungsgespräche mit Eltern (vor allem dieser SchülerInnen) geführt, 
  • über 3.000 kollegiale Beratungskontakte für Lehrer abgeschlossen,
  • über 500 sozial- und freizeitpädagogische Projekte in diesen Schulen angeboten. 

In Duisburg sind bereits seit längerer Zeit 55 Schulsozialarbeiter/innen im Rahmen des Landes-programmes an Schulen tätig, ihre Refinanzierung geschieht über eingesparte Lehrerstellen. Doch für kleinere Systeme, wie Grundschulen, ist die Einsparung von Lehrerstellen nicht mög-lich, deshalb gab es in diesem Bereich noch keine Schulsozialarbeiter.

Durch das Bildungs- und Teilhabepaket konnte nun auch bei einem Teil dieser Schulen endlich Schulsozialarbeit installiert werden. Dies ist besonders positiv, da bedingt durch das jüngere Alter verbunden mit der noch frühen Schulerfahrung der Zugang zu Kindern und ihren Familien leichter und vor allem präventiv stattfinden kann. Schulsozialarbeit ist besonders erfolgver-sprechend, wenn Armutsprävention zu ihren primären Aufgabenfeldern zählt.

Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Berechnung der ALG II Sätze für Kinder und der daraufhin erfolgten Einführung des Bildungs- und Teilhabepakets wurde bereits ein Rahmen gesetzt. Die Zielgruppe für Schulsozialarbeiter nach dem BuT sind vor allem Kinder aus Armuts-verhältnissen. Armut ist der stärkste Risikofaktor für die Entwicklung von Kindern und Jugend-lichen. Weder Geschlecht, Migrationshintergrund oder andere Faktoren haben eine solch ent-scheidende Auswirkung auf die Lebenslagen und Entwicklungschancen von Kindern, wie Armut.

Auf den Aspekt des Sozialraums wurde bereits in der Planung zur Schulsozialarbeit im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes Einfluss genommen, indem der Bedarf der Schulstandorte nach einem sozialen Index ermittelt wurde. Durch den besonderen Schwerpunkt in der Arbeit auf leistungsberechtigte Kinder findet zudem eine speziell präventive Arbeit der am stärksten benachteiligten Gruppe von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien statt.

Die Beratung der Eltern seitens der Schulsozialarbeit ist für viele Familien der (leider) erste Zugang zu Beratungs- und Hilfsangeboten. Ein Qualitätsmerkmal des Jugendhilfeangebotes Schulsozialarbeit im Rahmen des BuT in der Trägerschaft der Freien Jugendhilfe ist die Ein-bindung und enge Vernetzungs- und Kooperationsmöglichkeit zu den Fachdiensten und Ange-boten der Träger, z. B. der Sozial-, Erziehungs- oder Schuldnerberatung.

Der große Gewinn besteht darin, dass die Fachkräfte der Wohlfahrtsverbände frühzeitiger, kompetenter, zügiger und sehr niederschwellig über bestehende Hilfsangebote informieren können. Eltern werden schneller an z. B. Beratungsstellen weitergeleitet oder es können Hilfe-angebote vermittelt werden. Eine enge Kooperation der Fachkräfte mit den innerverbandlichen Beratungs- und Hilfsangeboten stärkt zusätzlich die Erziehungskompetenz der Eltern unmittel-bar.

Aktuell reichen die Fördermittel, die der Bund für einen Förderzeitraum von drei Jahren zur Verfügung gestellt hat, bis zum Februar 2015. Doch die Zielrichtung muss eine Verstetigung dieser so wichtigen Arbeit für unser Schulsystem über den genannten Förderzeitraum hinaus sein.

Die Schulsozialarbeit BuT in Duisburg

  • zeigt eine gelungene Kooperation von Jugendhilfe und Schule, 
  • hilft Kindern zu mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit, 
  • erreicht Eltern mit weitergehendem Hilfebedarf, 
  • hilft Kindern, die durch den familiären Wandel vielfältig belastet sind, durch Armut, fehlende Ausbildungs- und Berufsperspektiven, Gewalt und zu großem Medienkonsum, 
  • ist sozialraumorientiert und nutzt gewinnbringend die Ressourcen des Stadtteils, 
  • geschieht auf Augenhöhe von Schule und Trägern der Jugendhilfe. 

Die Duisburger Schulsozialarbeit BuT ist ein Erfolgsmodell und muss auch nach Februar 2015 weiterfinanziert werden. Deshalb fordert die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Duisburg alle Ratsmitglieder auf, sich, unabhängig ihrer politischen Zugehörigkeit, bei ihren Landtags- und Bundesabgeordneten für eine Weiterfinanzierung dieser wichtigen und erfolg-reichen Maßnahme an Duisburger Schulen einzusetzen.

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Sehr geehrte Frau Ramb,

die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in Duisburg, in deren Namen ich mich an den Herrn Minister über Sie als die Leiterin der zuständigen Fachabteilung des Ministeriums wende, sind in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dem Schulverwaltungsamt in Duisburg seit vielen Jahren in der aus Mitteln des Bildungs- und Teilhabepaketes finanzierten Schulsozial-arbeit tätig. Trotz schwieriger und unsicherer Rahmenbedingungen ist es dank der vertrauens-vollen Arbeitsbeziehungen zwischen allen Beteiligten gelungen, diese Arbeit bis heute in einem Umfang von 45 Vollzeitstellen durchzuführen.

Wie den Protokollen des Rates der Stadt und des Jugendhilfeausschusses, öffentlichen Äußer-ungen des zuständigen Beigeordneten und der einschlägigen kommunalen Fachämter wie auch der Lokalpresse regelmäßig zu entnehmen ist, stößt unsere Arbeit bei den Schulkindern, den Erziehungsberechtigten, Schulkollegien und -leitungen wie auch bei den politisch Verantwort-lichen auf viel Lob und wird als qualitativ hochwertig wahrgenommen. In einer Haushaltssicher-ungskommune wie Duisburg, in der vier von zehn Kindern arm oder von Armut bedroht sind und über 100 Grundschullehrer und -lehrerinnen fehlen, ist das auch besonders wichtig.

Herr Minister Laumann hat angesichts der oben angesprochenen Unsicherheiten bereits im Oktober 2017 gegenüber der Presse erklärt , NRW werde für den Fall, dass der Bund die von ihm 2014 beendete Finanzierung zusätzlicher Schulsozialarbeit ab 2019 nicht wieder übernehmen sollte, in der mittelfristigen Finanzplanung des Landes die Fortschreibung des Ansatzes in un-veränderter Höhe von 47,7 Millionen Euro bis 2021 vorsehen und so den Bestand von 1.000 Stellen, die durch die Vorgängerregierung außerhalb der Finanzierung des Schulministeriums und der Kommunen im Sozialetat zur Verfügung gestellt wurden, sichern.

Nun sind aber unseres Wissens die angekündigten Mittel zwar im Landeshaushalt vorgesehen, werden aber nicht freigegeben. Bei allem Verständnis für den dahinter womöglich noch stehen-den Gesprächsbedarf zwischen Land und Bund weisen wir nachdrücklich darauf hin, dass für eine verantwortliche und dem stark anwachsenden Bedarf an Schulsozialarbeit angemessene Personalbewirtschaftung die Zeit jetzt schon knapp ist.

Anders als vielfach üblich haben die Verbände in Duisburg dem wenig stabilen Finanzierungs-rahmen zum Trotz in den vergangenen Jahren gerade in der Schulsozialarbeit zunehmend auf unbefristete (und selbstverständlich tarifgebundene) Beschäftigungsverhältnisse gesetzt, um für die vielfältigen Aufgaben bei familiären Problemen, Integrationsfragen, Suchtthemen oder auch der Unterstützung im Verkehr mit Behörden die notwendige persönliche Beziehungs-qualität gewährleisten zu können, die der Herr Minister ja in anderen Handlungsfeldern wie zum Beispiel der Pflege zu Recht öffentlich immer wieder herausstellt.

Da aktuell nun aber die vom MAGS angekündigte Finanzierung der Schulsozialarbeit in der Luft hängt, werden wir nicht verhindern können, dass sich unser Personal schon jetzt beruflich anderweitig zu orientieren beginnt, weil es aus verständlichen Gründen angesichts des drohen-den Wegbruchs eines Arbeitsgebietes berufliche Sicherheit braucht. Da es sich hier ausnahms-los um am Arbeitsmarkt gesuchte Fachkräfte handelt, wird schon bald eine vernetzte und hoch-professionelle Infrastruktur zu bröckeln beginnen, die von den Mitarbeitenden selbst, von uns als Trägern, von der Zielgruppe und von den beteiligten Stellen aus Politik und Verwaltung als wertvoll und gerade in unserer Stadt eigentlich unverzichtbar angesehen wird. So etwas ist schnell zerstört und nur langsam wieder aufgebaut!

Wir bitten Sie, sehr geehrte Frau Ramb, diese unsere Gesichtspunkte dem Herrn Minister nahezubringen, verbunden mit unserer dringenden Bitte, die avisierten Haushaltsmittel der MAGS-finanzierten Schulsozialarbeit möglichst umgehend in der angekündigten Höhe frei-zugeben bzw. den Kommunen hinsichtlich Zeitpunkt und Umfang so verbindliche Angaben zu machen, dass diese mit uns die Planung für die Zukunft weiterführen kann.

Download als PDF : 2020-03-05_Schulsozialarbeit